LAZARUS

Im Fokus des Projektes LAZARUS (Langfristige Aufbereitung, Zugänglichkeit und Archivierung universitärer Sammlungen) stand die exemplarische Aufbereitung, nachhaltige Sicherung und dauerhafte Bereitstellung digitaler Forschung. Der Begriff der “Sammlungen” umfasste dabei nicht nur ausschließlich materiell begründete Sammlungen, sondern in gleicher Weise digitale Sammlungen und Ressourcen, wie sie in Lehr- und Forschungsprojekten entstehen.

compilation of a latin medieval manuscript, a woodcut depiction of scholar teaching students, and a manuscript page of the Bhagavad Gita, written in sanskrit in the 18th century

Link

https://dch.phil-fak.uni-koeln.de/forschung/lazarus

Laufzeit

2013–2015

projektbeteiligte

DCH, CCeH. Projektleitung: Prof. Dr. Patrick Sahle. Entwicklung, Technische Systeme: Dr. Gioele Barabucci. Datenmodellierung, Entwicklung: Martina Gödel. Kooperationspartner: Prof. Dr. Dr. h.c. Andreas Speer (Thomas-Institut, Universität zu Köln), Dr. Thomas Malten (Institut für Südasien- und Südostasien-Studien (SASOA), Universität zu Köln), Prof. Dr. Georg Vogeler (mittlerweile Zentrum für Informationsmodellierung, Karl-Franzens-Universität Graz), Prof. Dr. Peter Orth (mittlerweile Institut für Altertumskunde, Mittellateinische Abteilung, Universität zu Köln).

Beschreibung

Im Fokus des Projektes LAZARUS (Langfristige Aufbereitung, Zugänglichkeit und Archivierung universitärer Sammlungen) stand die exemplarische Aufbereitung, nachhaltige Sicherung und dauerhafte Bereitstellung digitaler Forschung. Der Begriff der “Sammlungen” umfasste dabei nicht nur ausschließlich materiell begründete Sammlungen, sondern in gleicher Weise digitale Sammlungen und Ressourcen, wie sie in Lehr- und Forschungsprojekten entstehen.

Für das Projekt wurden drei exemplarische universitäre Sammlungen ausgewählt. Es handelte es sich (1) um das Meister-Eckhart-Archiv, (2) um das Cologne Digital Sanskrit Lexicon (CDSL) sowie (3) um Paläographie-Online. Allen drei Sammlungen ist gemein, dass die jeweiligen Daten in unterschiedlichen Formaten zu Projektbeginn bereits vorlagen. Während das Meister-Eckhart-Archiv (1) ein physisches Archiv ist, zu dem bislang nur gering strukturierte textliche Beschreibungen vorliegen, besteht das Sanskrit-Lexikon (2) bereits aus digitalen Volltexten mit einem in die Jahre gekommenen Benutzer-Interface, und Paläographie-Online (3) aus einer Sammlung von didaktischen Materialien, die ebenfalls in ihrer Benutzbarkeit überarbeitet werden müssen. In allen drei Fällen ging es darum, wichtige Forschungsressourcen auf den Stand der Zeit zu bringen, um die ihnen zukommende Bedeutung ausschöpfbar zu machen.

Um die dauerhafte Präsentation und Archivierung digitaler Forschungsdaten sicherzustellen, wurde von der Philosophischen Fakultät das Data Center for the Humanities (DCH) gegründet. Ziel war es, auf der Basis einer entsprechenden technischen Infrastruktur verallgemeinerbare und nachnutzbare Methodiken und Praktiken zur Übernahme digitaler Datenbestände aufzubauen. Diese wurden an den LAZARUS-Sammlungen entwickelt und erprobt, indem diese erschlossen und aufbereitet wurden.

Meister-Eckhart-Archiv: https://thomasinstitut.uni-koeln.de/forschung/arbeitsstellen-und-langzeitprojekte/meister-eckhart-archiv

Projektleiter: Andreas Speer
Katalogisierung und Digitalisierung: Maxime Mauriège

Das Meister-Eckhart-Archiv geht im Kern auf den Nachlass von Prof. Dr. Joseph Koch (1885–1967) zurück, dem Leiter der wissenschaftlichen Gesamtausgabe der lateinischen Werke des spätmittelalterlichen Theologen und Philosophen Meister Eckhart (1260–1328) und Gründer des Thomas-Instituts der Universität zu Köln. Das Archiv umfasst Akten, Zeugnisse und Korrespondenzen, die die Entstehung der Gesamtausgabe Meister Eckharts seit den 1930er Jahren bis zum heutigen Tag dokumentieren. Mehr als tausend unveröffentlichte Dokumente wurden bereits digitalisiert, katalogisiert und wissenschaftlich erschlossen. Derzeit werden neue Dokumentenbestände z. T. aus anderen Archiven digitalisiert und erschlossen.

Im Rahmen der Förderung im LAZARUS-Projekt wurden die bereits erarbeiteten Katalogisate mit Hilfe der freien Archivsoftware AtoM in ein kompatibles Format transformiert und importiert. Eine darauf aufbauende Datenbank und Benutzeroberfläche bildet zugleich die Arbeitsumgebung für die weitere Erschließung und die Grundlage für eine Online-Präsentation, welche die Funktionalität des Archivs und die Sicht- und Benutzbarkeit seiner Materialien optimiert.

Das Projekt ist Teil eines vom Land NRW geförderten Programms in Kooperation mit dem CCeH zur Aufbereitung, nachhaltigen Sicherung und dauerhaften Bereitstellung digitaler Forschung. Die Inbetriebnahme der Website hat sich aus technischen, betrieblichen und datenrechtlichen Gründen verzögert und wird voraussichtlich im Laufe des Jahres 2021 erfolgen.

Sanskrit-Wörterbücher: https://sanskrit-lexicon.uni-koeln.de/

Die Auszeichnung der verschiedenen Lexika wurde ursprünglich entwickelt und implementiert von: Dr. Thomas Malten (Universität zu Köln, E-Mail: th.malten@uni-koeln.de), Peter Scharf (Brown University), Malcolm D. Hyman (Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, Berlin), Jim Funderburk

Das Cologne Digital Sanskrit Lexicon (CDSL) ist eine lexikalische Datensammlung des Sanskrit. Es enthält die Information von rund 14, teilweise sehr umfangreichen Sanskrit-Wörterbüchern und anderen lexikalischen Ressourcen in digitaler Form und stellt damit die größte digitale Sammlung dieser Art zum Sanskrit dar. Das CDSL ist auf der ganzen Welt eine essentielles Grundlage für die Beschäftigung mit Sanskrittexten in Forschung und Lehre.

Die Grundlagen der digitalen Sammlung wurden bereits seit 1994 geschaffen, so dass die älteren Daten zum Projektzeitpunkt in nicht mehr zeitgemäßen Formaten vorlagen. Die einzelnen Wörterbücher stellen getrennte Ressourcen dar, die projektspezifische Auszeichnungsformate aufweisen und zum Teil durch eine Webapplikation verfügbar sind. Die Form der Bereitstellung spiegelt die Heterogenität des Materials und die gewachsenen Struktur der Sammlung.

Ziel der Aufbereitung dieses lexikalischen Schatzes war es, das Markup der verschiedenen Ressourcen zu vereinheitlichen und dabei den etablierten Standard der Text Encoding Initiative (TEI) zu verwenden. Von zentraler Bedeutung war eine wörterbuchübergreifende Suche, um das vollständige Potential dieser einzigartigen Datenbank erschließen zu können.

Siehe zum CDSL auch die seit 2017 betriebene Plattform C-Salt, die die verschiedenen Aktivitäten des CCeH, DCH und IfL im Bereich südasiatischer Sprachressourcen bündelt.

Paläographie Online: http://www.palaeographie-online.de/

Herausgegeben von:
Prof. Dr. Peter Orth
Prof. Dr. Georg Vogeler

Paläographie Online macht seit 2005 ein hilfswissenschaftliches e-Learning-Angebot zur Transkription, das im ganzen deutschsprachigen Raum von verschiedenen Fächern erfolgreich für die universitäre Ausbildung genutzt wird (über 1000 angemeldete Nutzer). Es umfasst im Kern eine chronologisch und thematisch geordnete Serie von Übungen zur Paläographie des römischen Altertums und des abendländischen Mittelalters, die zum einen durch ein illustriertes Glossar, zum anderen durch eine Übersicht von Musteralphabeten und Abkürzungen ergänzt wird.

Im Rahmen des Projektes sollten die Funktionalität und Oberfläche des Programmes verbessert und die technischen Voraussetzungen geschaffen werden, um Paläographie Online von einer anspruchsvollen Lern- zu einem forschungsrelevanten handschriftenkundlichen Arbeitsinstrument weiterzuentwickeln. Das System basierte seinerzeit auf veralteten PHP-Skripten und Javascript-Funktionen. Dadurch waren eine umfassende Remodellierung, eine Übertragung in ein zeitgemäßes Datenbanksytem, und die Einbettung in eine dauerhafte Server-Infrastruktur erforderlich.

Bildnachweis

(von links nach rechts) Aarau, Aargauer Kantonsbibliothek, MsMurF 84, fol. 99r, Petrus Hispanus, Petrus Tartaretus, http://www.e-codices.ch/en/kba/MurF0084/99r; ein Holzschnitt unbekannten Ursprungs, oft mit Meister Eckhart in Verbindung gebracht (s. bspw. https://www.heiligenlexikon.de/BiographienE/Meister_Eckhard_Eckart.htm); London, British Library, Or 8837, fol. 4r, Ausschnitt aus dem Bhagavad Gita aus dem 18. Jahrhundert in Sanskrit, http://www.bl.uk/manuscripts/FullDisplay.aspx?ref=Or_8837.